Steildach oder Flachdach?

Vor- und Nachteile der beiden Dachformen

Steildach oder Flachdach?
Foto: ERLUS / HLC

Welches Dach soll auf mein Haus?
Vor dieser Frage steht jeder Bauherr vor der Bauplatzwahl. Je nachdem, welche Kriterien für ihn am wichtigsten sind, wird die Entscheidung pro Steildach oder pro Flachdach ausfallen.

 

Baugenehmigung: Die Dachform für ein Baugebiet ist in den Bebauungsplänen der Kommunen ausgewiesen, was die Wahl des Daches einschränken kann.

 

Ästhetik: Das Flachdach steht für die puristische, moderne Architektur der Bauhaustradition. Das traditionelle Steildach ermöglicht mit rund 50 Dachziegelarten in verschieden Größen, Formen, Farben und Funktionen für 14 Hauptdachformen sowie mit verschiedenen Dachaufbauten, wie z.B. Gauben oder Dachflächenfenstern, mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Kosten: In der Anschaffung ist ein Flachdach günstiger. Seine Abdichtung wird jedoch innerhalb der durchschnittlichen Lebensdauer eines Hauses mehrmals erneuert. Auf dem Steildach müssen im selben Zeitraum nur einzelne Dachziegel ersetzt werden.

 

Sturm und Hagel: Das Dach ist aufgrund seiner großen Angriffsfläche bei Stürmen und Hagel immer direkt betroffen. Die teuersten Dachschäden entstehen bei flachen Dächern aus großflächigen, bahnartigen Werkstoffen, da eine punktuelle Schadensbeseitigung bei ihnen nicht möglich ist.

 

Raumnutzung: Das Steildach bietet einen zusätzlichen, witterungsgeschützten Raum im Dach. Das Flachdach ermöglicht die Dachnutzung in Form von z.B. Dachbegrünung oder Dachterrasse. Anhänger von Wohnlichkeit und Gemütlichkeit kommen bei sichtbaren Dachstühlen, Gauben und verwinkelten Zimmerecken unter dem Steildach auf ihre Kosten. Das Haus mit Flachdach kann später leichter aufgestockt werden und bietet dann als Vollgeschoss mehr Stellflächen als ein Dachraum unter dem Steildach.

 

Hitzebildung: Beim Steildach entweicht die Hitze im Bereich des Firstes, was Hitzestau verhindert. Das Flachdach heizt im Vergleich dazu schnell und stark auf und kühlt auch genauso schnell ab, was zu Spannungen und zu Schäden bei den meist dünnen Dichtungsbahnen führen kann. Um dies zu verhindern, werden Flachdächer begrünt oder zumindest bekiest, was die Kosten erhöht.

 

Solarenergie: Sowohl auf dem Steil- als auch auf dem Flachdach können Solaranlagen befestigt werden. Beim Steildach ist der Winkel zur Sonne aufgrund der Dachschräge sehr gut, sodass sich Solarkollektoren und Photovoltaikanlagen dort ästhetisch, einfach und schnell verlegen lassen. Beim Flachdach lassen sie sich durch zusätzliche Aufständerungen ideal an den Strahlungswinkel der Sonne anpassen. Deren Befestigung ist jedoch aufwändig, da sie als Auflast die Abdichtung punktuell belasten.

 

Ökobilanz: Beim Flachdach eingesetzte Materialen zur Dichtung wie z.B. Bitumen oder Kunststoffe enthalten nicht selten Schadstoffe und sind nicht recycelbar. Sortenreine Tondachziegeldächer sind ein Wertstoff und können komplett recycelt werden. In 50 Jahren spart das Steildach nach Berechnungen der TU Wien im Vergleich zum Flachdach 26,21 Tonnen CO2 ein.

 

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